Wer glaubt, dass es Geschäftsideen mit Potenzial nur tief vergraben in seitenlangen Businessplänen gibt, der kennt Alma noch nicht. Oder besser gesagt ihre Mama, Isabel Zinnagl. Die Mama von Zwei (und Bloggerin hinter “Salon Mama“) produziert eigentlich Filme für Kino und Fernsehen – auch jetzt noch – doch während der ersten Schwangerschaft führte ihre verzweifelte Suche nach einem coolen, hochwertigen, bio-Babyöl für den wachsenden Bauch und anschließend die zarte Haut vom Nachwuchs ganz unverhofft zum eigenen Unternehmen. Ganz nach dem Motto: Wenn der Markt nicht das richtige Produkt zu bieten hat, dann mach es doch selbst! Diesen Gedankenanstoß lieferte damals ihr Mann. Gesagt, getan, Isabel entwickelte eine hochwertige Biobabypflegelinie die ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird und nach ihrer Tochter Alma benannt ist: Alma Babycare. In der Zwischenzeit war die Gründerin bei der StartUp Show “2 Minuten 2 Millionen” zu sehen und bekam die nötige Förderung um auf den internationalen Markt zu expandieren und Alma über die österreichischen Grenzen hinaus zu vertreiben.
Was wir an dieser Geschichte besonders lieben? Der natürliche Ursprung einer Idee, eines Produkts und im Zuge dessen einer Firma. Wir haben immer schon den Standpunkt vertreten, dass man selbst sein treuster Kunde sein muss. Egal welche Dienstleistung oder welches Produkt man verkauft – nur wenn man zu 100% dahinter steht kann man seinen Job auch richtig gut machen! Darum haben wir es uns nicht nehmen lassen, Isabel Zinnagl zu einem Job Report zu bitten. Wir haben sie, samt Nachwuchs Vito, im hellen Altbaubüro auf der Mariahilfer Straße getroffen und bei einer Tasse Kaffee über das junge Unternehmen geplaudert, während wir uns die Hände mit dem Alma Babyöl eingeschmiert und an neuen Duftkerzen geschnuppert haben.

Isabel, die Idee für Alma Babycare kam dir ganz unverhofft, da es deiner Meinung nach das perfekte Babyprodukt auf dem Markt noch nicht gab. Was sind deine Ansprüche an ein solches? Wieso wurdest du nicht fündig?
Mit der Geburt meiner Tochter Alma hat sich bei mir wirklich viel verändert. Ich war Mama, hatte Verantwortung und wollte natürlich, so wie jede andere Mama auch, nur das Beste für meine Tochter. Mich haben vor allem die Momente mit meiner Tochter am Wickeltisch oder beim Baden sehr berührt. Es sind intensive, hautnahe Momente, in denen du dein Baby anschaust, berührst und mit deinem Baby in Beziehung trittst. Mir war es wahnsinnig wichtig, welche Pflegeprodukte diese Momente unterstützen. Geruch schafft Erinnerungen, daher wollte ich Produkte, die gut riechen. Weiters die besten und wertvollsten Inhaltsstoffe, die die sanfte Babyhaut pflegen. Und zu guter Letzt natürlich das Design, denn ich wollte Babyprodukte, die optisch schön aussehen. Da ich auch international nicht fündig wurde, kam relativ schnell der Gedanke auf, selbst etwas zu gründen.
Von der Idee zur Marke – was waren die ersten Schritte, nachdem du dir zur Aufgabe gemacht hast, ein hochwertiges, besonderes Babyöl zu entwickeln? Wie wird aus der Idee ein Produkt, das man haptisch in den Händen halten kann?
Der erste Schritt war definitiv die richtige Partnerwahl. Da mein Mann und ich beide branchenfremd waren, war es uns enorm wichtig von Anfang an gute professionelle Partner zu suchen, die in ihrer Branche Experten sind. Das hat auch ein gewisses gemeinsames Mindset vorausgesetzt. Wir wollten von Anfang an keine Kompromisse eingehen und auch nur mit Leuten arbeiten, die mit uns diese Reise gehen wollen. Das Ziel war ein ganz besonderes Öl zu kreieren und jeder Schritt dorthin musste diesem Anspruch gerecht werden. Wir hatten viele Nächte und Wochenenden, in denen wir statt Fernsehen zum Beispiel mit der Auswahl der richtigen Flaschen verbracht haben. Mit allen dermatologischen Tests und Zertifizierungen hat es dann auch knapp zwei Jahre gedauert, bis wir unser Produkt, so wie es jetzt ist, in den Händen halten konnten.

Was waren die größten Herausforderungen auf diesem Weg?
Dass man nicht aufgibt! Dass man immer dran bleibt und auf der einen Seite seinen Prinzipien treu bleibt, auf der anderen Seite aber auch immer offen für Veränderungen ist. Für mich war die größte Herausforderung aus einer Leidenschaft und einem „Nebenbei Business“ den Schritt zur richtigen Firma zu schaffen!
Stichwort: Quereinsteigerin! Du kommst eigentlichen aus der Filmbranche – kann man deine bisherige Berufserfahrung mit der Gründung eines Startups vergleichen? Wo ergeben sich Parallelen mit Alma Babycare, wo Unterschiede?
Es gibt lustigerweise sehr viele Parallelen. Auch in der Filmbranche beginnt alles mit einer Idee und das Endprodukt ist dann ein fertiger Film. Man arbeitet mit Kreativen, hat viele Ideen die man dann oft aus budgetären Gründen wieder verwerfen muss und am Ende hofft man, dass sich ganz viele den Film anschauen. Die Herausforderungen und Entscheidungen die man trifft, sind oft die gleichen. Der größte Unterschied ist jedoch, dass ich trotzdem angestellt war. Sprich: ich hatte wenig bis gar kein Risiko. Bei der Gründung einer eigenen Firma trägt man von Tag 1 eine enorme Verantwortung, hat vielleicht auch immer wieder Existenzängste. Das gehört alles dazu. Das Schönste daran ist aber, dass man jeden Tag seine eigenen Entscheidungen trifft. Natürlich können es auch die Falschen sein, aber es sind immerhin deine eigenen…


Wie schaffst du es, das Mamasein mit dem Start-Up zu vereinen? Hast du Tipps für junge Mütter?
Ich glaube für jede Mama ist es eine Herausforderung das Mamasein mit dem Beruf zu vereinen. Es ist eine Challenge und ein Balanceakt, der nie wirklich aufhört. Ich versuche jeden Tag mein Bestes zu geben, im Beruf sowie bei meinen Kindern, aber natürlich klappt das nicht immer. Das Schöne an der Selbstständigkeit ist natürlich, dass ich mir wirklich alles einteilen kann und wenn meine Kinder mich brauchen, ich da sein kann. Jedoch hat es natürlich auch Schattenseiten, als Selbstständige arbeitest du irgendwie immer.
Du warst vor ca. 18 Monaten bei der Show “2 Minuten, 2 Millionen” und hast dort auch erfolgreich ein Investment bekommen. Wie wichtig war diese “Geldspritze”? Wie konntet ihr dadurch ALMA Babycare weiterentwickeln?
Es war schon sehr wichtig für uns. Wir konnten dadurch etwas schneller wachsen, konnten neue Produkte entwicklen und hatten auch die Möglichkeit im Marketing einiges auszuprobieren.

Gibt es etwas, das du wünscht, schon bei der Gründung gewusst zu haben? Würdest du retrospektiv etwas anders machen?
Eigentlich bin ich ziemlich froh, dass ich relativ blauäugig und mit viel Leidenschaft an die Sache ran gegangen bin. Wer weiss ob ich alle Entscheidungen so aus dem Bauch heraus damals getroffen hätte, mit dem Wissen dass ich jetzt habe… Gerade als Quereinsteiger entscheidet man oft Dinge anders. Man hat einen frischen Blick auf eine Branche.
Last but not least: Hast du Tipps für Frauen, die eine tolle Idee haben, sich aber nicht so recht trauen diese auch zu verfolgen?
Einfach mal machen. Oft überlegt man viel zu lange, wiegt alles ab und lässt sich von seiner Umwelt verunsichern. Vieles entwickelt sich erst im Tun. Man muss allerdings sich immer bewusst sein, dass der Erfolg selten von einem Tag auf den anderen kommt. Bei niemanden. Es ist ein ewiges Auf und Ab. Jedoch muss auch das Ziel sein, dass man mit seiner Idee irgendwann Geld verdient und es nicht für immer ein kostspieliges Hobby bleibt.



